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03.07.2017: MAZ-online

Kleinmachnow streitet über die Stammbahn

Kleinmachnow ist gespalten beim Thema Wiederaufbau der Stammbahn: Anwohner befürchten Güterverkehr auf der Strecke und viel Lärm im Norden der Gemeinde. Sie greifen auch die „Bürgerinitiative Stammbahn“ an. Sinnvoller scheint ihnen der Aufbau der Strecke als S-Bahn. Doch die Deutsche Bahn hat andere Pläne.

Der mögliche Wiederaufbau der Stammbahnstrecke zwischen Potsdam und Berlin als Regional- oder S-Bahnlinie wächst sich zu einem Streitthema in Kleinmachnow aus. Insbesondere geht es darum, ob auf der Strecke Güterzüge verkehren werden. Anwohner befürchten in diesem Fall eine erhebliche Lärmbelästigung im Norden der Gemeinde. Doch trotz ihrer eindringlichen Vorsprache hat nun auch der Kleinmachnower Hauptausschuss alle derzeit diskutierten Beschlüsse zum Freihalten der Stammbahn-Trasse einstimmig beschlossen.

Die Anlieger hatten zuvor nicht nur vor möglichem Güterverkehr gewarnt, sondern auch zu bedenken gegeben, dass die Trasse für Fernverkehr ohne Halt in Kleinmachnow genutzt werden könnte. Unter Umständen könne die Deutsche Bahn sogar nicht zu Schallschutz verpflichtet werden, was dann zu einer massiven Lärmbelästigung führen würde.

Jürgen Lemke zum Beispiel appellierte an die Gemeindevertreter, dass ein B-Plan für die Trassenfreihaltung auch ein politisches Signal sei und Toralf Reichenbach legte der Verwaltung nahe, den Ringschluss erneut zu prüfen: „Das wäre auch für Stahnsdorf gut.“ Mit dem „Ringschluss“ ist eine Verlängerung der S-Bahn-Strecke von Teltow nach Stahnsdorf und weiter auf der Trasse der ehemaligen Friedhofsbahn bis nach Berlin-Wannsee gemeint.

Kleinmachnows Bauamtsleiter Jörg Ernsting sagte, dass es unabhängig von den Beschlüssen der Gemeinde eine Entscheidung des zuständigen Ministeriums sei, ob die Bahn komme. In jedem Fall müsse die Trasse von Bebauung frei gehalten werden. Der Vorschlag des Gemeindevertreters Bernd Bültermann (SPD/PRO), dass alle Fraktionen gemeinsam ein Votum zum Thema Stammbahn abgeben sollten, wurde von den anderen Kommunalpolitikern positiv bewertet. „Eine gemeinsame Abstimmung der Gemeinde ist sicherlich förderlich, das begrüße ich sehr“, betonte auch Bürgermeister Michael Grubert (SPD), der außerdem erklärte: „Wir wollen die Schienenanbindung. Die Mehrheit der Gemeindevertreter wird sicher eine reine S-Bahn-Verbindung bevorzugen, niemand möchte Güterverkehr.“

Diesem Frieden trauen die Anwohner aber immer weniger und richten ihre Angriffe nicht nur gegen die Gemeinde, sondern mehr und mehr auch gegen die seit vielen Jahre aktive „Bürgerinitiative Stammbahn“. Die S-Bahn-Variante auf der Stammbahn habe er gerne unterstützt, so Toralf Reichenbach, aber nun müsse er feststellen, dass die Bürgerinitiative „vielmehr eine zweigleisige Schnellbahntrasse mit Regio- und Güterverkehr“ vorantreibe. „Mit dieser Sache kann ich mich nicht mehr identifizieren.“
----Hintergrund----
Haltepunkt Düppel seit 1939

Die Stammbahn entstand 1838 als Eisenbahnverbindung zwischen Potsdam und Berlin. Sie war die zweite Bahnstrecke in Deutschland und die erste in Preußen – der „Stamm“ des preußischen Bahnnetzes. 1939 wurde der Haltepunkt Düppel/Kleinmachnow eröffnet.

Die „Friedhofsbahn“ wurde als S-Bahn-Strecke von Berlin-Wannsee zum Südwestkirchhof Stahnsdorf 1913 in Betrieb genommen. Am Bau war auch die damalige Landeskirche beteiligt.

Reichenbach weist in seinem Brief an die Bürgerinitiative außerdem darauf hin, dass gerade der Bau einer Kreis-Gesamtschule in der Nähe des S-Bahnhofs Teltow beschlossen worden sei. „Die Verlängerung der S 25 nach Stahnsdorf würde daher auch für die Schüler unserer Region unbedingt Sinn machen.“ Dafür müsse die Region gemeinsam plädieren, denn „die Länder Berlin und Brandeburg werden nur einmal Geld für eine Schienenanbindung in die Hand nehmen“.

Von Konstanze Kobel-Höller und Jürgen Stich

MAZ-online
3.7.2017
http://www.maz-online.de/Lokales/Potsdam-Mittelmark/Kleinmachnow-streitet-ueber-die-Stammbahn

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